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Eskep

Dies ist eine Geschichte aus Dixis Computer-Anfänger-Zeiten. Heute ist ihm die Sache mit dem "Eskep" schon fast peinlich ...

"Dixi, Hündchen, streng dich an!"
Herr Drachau schaute fordernd auf seinen kleinen Hund, der sich unter seiner fachmännischen Anleitung seit einer halben Stunde bemühte, einen Text auf dem neuen Computer zu schreiben. Am Morgen hatte Herr Drachau den Computer herangeschleppt und auf seinem Schreibtisch aufgestellt. Zuerst einen hässlichen grauen Blechkasten, dann so was ähnliches wie einen Fernseher - Herr Drachau nannte das Ding "Monitor". Davor eine Platte mit vielen Tasten, auf denen man herumdrücken konnte, ohne das etwas passierte.
"Wir müssen den Computer erst hochfahren", meinte Herr Drachau, als Dixi sich darüber beschwerte.
"Hoch fahren?" fragte Dixi. "Wohin? In den dritten Stock? Da wohnt die alte Frau Zuse, ich glaube nicht, dass sie sich für Computer interessiert!"
"Nein, nicht hinauffahren, sondern starten!" murmelte Herr Drachau ungeduldig, während er noch etwas auspackte.
"Hier ist die Maus!"
Dixi zuckte zusammen. Mit Mäusen hatte er keine guten Erfahrungen gemacht. Sie flitzten herum und machten ihn ganz nervös. Eine hatte ihn sogar einmal in die Nase gezwickt, als er sich ihr unvorsichtig näherte. Aber das Ding, das Herr Drachau hervorkramte, sah nur sehr entfernt wie eine Maus aus. Einen Schwanz hatte es ja, aber keine Augen. Und statt Zähnen zwei Tasten und ein Rädchen dazwischen.
"Das ist für den Seitenscroll", bemerkte Herr Drachau lässig.
Dixi betrachtete ratlos das Rädchen und die Tasten, während Herr Drachau den Mäuseschwanz in die Rückseite der Blechkiste steckte. Ah, so konnte die Maus wenigstens nicht weglaufen und Dixi zwicken. Er fühlte sich etwas sicherer.
"Die Maus ist neben der Tastatur das wichtigste Eingabegerät des Computers", erklärte Herr Drachau. "Sie bewegt sich auf einer Unterlage, genannt Mousepad. Hier haben wir eine."
Herr Drachau legte ein rechteckiges Stück Gummi mit einer geschmacklosen Werbung für irgendeine Krankenkasse auf den Schreibtisch und platzierte die anspruchsvolle Maus darauf. Dixi fand, dass er es in seinem Hundekörbchen viel bequemer hatte. Auch wusste er von den anderen Mäusen, dass sie es vorzogen in ihren Mäuselöchern zu wohnen. Aber diese Computermäuse waren wohl ein wenig eigen.

Herr Drachau hatte inzwischen noch dieses und jenes Kabel verlegt.
"Und nun starten wir den Computer!" rief er erwartungsvoll und drückte auf einen Schalter am Blechkasten.
Das Ding begann leise zu summen. Der Monitor wechselte die Farbe von schwarz auf bunt und dann zu türkis.
"Was sind das für Flecken da drauf?" fragte Dixi.
"Das sind Eikons. Damit kann man Programme starten. Ich lege jetzt diese CD in das Laufwerk und wir installieren Wörd."
Herr Drachau nahm eine silberne Scheibe vorsichtig aus ihrer Hülle. Der Computer steckte seine Zunge heraus, Herr Drachau legte die Scheibe darauf und der Computer fraß sie auf.
Dabei begann er zu surren und zu brummen, es klang ein wenig wie der Geschirrspüler in der Küche. Die Scheibe schien ihm zu schmecken. Dixi war froh, dass der Computer solche Scheiben verspeiste. Da würde er ihm wenigstens nicht die köstlichen Bockwürste abspenstig machen. Aber etwas ungerecht fand er das Ganze schon: Als er einmal so eine Scheibe kosten wollte und sie anbiss, hatte Herr Drachau sehr heftig mit ihm geschimpft. Mit dem Blechkasten aber schimpfte er jetzt nicht, sondern freute sich:
"Ah, hier ist schon das Sett App. Wir können anfangen."
Er schob die Maus hin und her und tippte schließlich mit dem Zeigefinger auf ihren Rücken. Sie ließ sich das gefallen, machte nur leise "Klick".
"Jetzt werden eine Reihe von Dateien auf die Festplatte kopiert, wir müssen uns gedulden." Minuten vergingen. Dixi nickte inzwischen ein wenig ein, denn das Summen des Lüftermotors wirkte sehr einschläfernd.
"So, jetzt kann es losgehen!", rief Herr Drachau und Dixi schreckte hoch.
"Nun kannst du das Protokoll deiner letzten Haustierratssitzung hier ganz komfortabel schreiben. Nimm Platz und fang an!"

Dixi begann auf der Tastatur zu tippen. Das ging leichter als auf Herrn Drachaus alter Schreibmaschine. Fehler konnte man ganz einfach korrigieren, das gefiel Dixi sehr, denn er verschrieb sich oft.
"Wenn du noch Text einfügen willst, dann brauchst du bloß mit der Maus auf die Textstelle klicken und dann kannst du ergänzen so viel du willst", erklärte Herr Drachau. Wie praktisch! Dixi war begeistert und vergaß seine Vorurteile gegenüber der Maus. Er wurde mutiger und begann zu probieren. "Was geschieht, wenn ich da oben rechts auf diesen Strich klicke?" Schwupp, und schon war es passiert! Sein Text war verschwunden! Alles umsonst!
"Kein Grund zur Panik!", beruhigte ihn sogleich sein Herrchen. "Natürlich ist der Text noch da, klicke hier unten auf die Randleiste, wo dieses "W" zu sehen ist."
Dixi tat es und - welch Wunder - der Text erschien wieder in voller Schönheit.
Nun wurde er immer kühner. Was mochte dieses Zauberding wohl anstellen, wenn er das Kreuzchen oben rechts antippte? Er tat es, der Computer machte "Kloing" und zeigte eine Frage: "Möchten Sie die Änderungen in Dokument1 speichern?"
Dixi fühlte sich geschmeichelt, dass ihn der Computer mit "Sie" ansprach, hatte aber keine Ahnung, was "speichern" bedeutete und was es mit diesem Dokument1 für eine Bewandnis hatte. Also klickte er vorsichtshalber "Nein" an.
Sein Text verschwand.
"Herr Drachau, zaubere den Text wieder zurück!", rief Dixi erwartungsvoll.
"Oh!", rief Herr Drachau, "hattest du den Text denn schon gespeichert?"
"Nein, ich glaube nicht.", antwortete Dixi.
"Dann kann ich den Text nicht wieder zurückholen. Du musst ihn nochmal schreiben.", Herr Drachau zuckte bedauernd die Schultern.
Dixi war entsetzt. Alles nochmal schreiben? Da hätte er auch Drachaus alte Schreibmaschine nehmen können, das wäre schneller gegangen!
Herr Drachau tröstete ihn. "Mach dich an die Arbeit, ich bereite derweilen des Essen vor."
Mit der Aussicht auf ein köstliches Abendbrot ließ sich der Verlust des Textes leichter verschmerzen. Dixi schrieb eifrig, nachdem ihm Herr Drachau erklärt hatte, wie er den Text speichern konnte.
"Wenn du fertig bist, dann klicke auf "Seitenansicht" und du kannst dir deinen Text schon mal ansehen", meinte Herr Drachau und verschwand in der Küchen.

Dixi tppte fleißig und wählte dann gespannt die "Seitenansicht" aus. Doch welch ein Schreck! Sein Text erschien jetzt viel kleiner, man konnte ihn kaum noch lesen.
"Schon wieder alles weg!", jammerte Dixi, "so ein blöder Computer!"
"Du musst Eskep sagen!" rief Herr Drachau aus der Küche, "dann wird die Seitenansicht wieder ausgeblendet."
Dixi wunderte sich. Eskep, was war das nun wieder für ein seltsames Wort? Aber er setzte sich folgsam vor dem Monitor in Positur und bellte laut und deutlich: "Eskep!"
Nichts geschah. Dixi bellte noch lauter: "Eskep! Eskep! Wuff!"
Am Monitor veränderte sich nichts. Aber Herr Drachau eilte herbei.
"Ist etwas passiert?" fragte er, besorgt um seinen Computer.
"Nein", meinte Dixi. "Aber dieses blöde Ding versteht nicht, wenn ich Eskep rufe!"
Herr Drachau lachte schallend auf. "Du sollst Eskep nicht rufen, sondern die Taste Esc drücken, die da ganz links oben, dummes Hündchen!"
Dixi war beleidigt. Wie konnte Herr Drachau ein so intelligentes Tier wie ihn als dumm bezeichnen? Schmollend zog er sich in sein Körbchen zurück und drehte dem Computer und seinem Herrchen den Rücken zu.

Herr Drachau schaltete den Drucker ein und ließ den Text ausgeben. Frohlockend lief er mit dem Papier in der Hand zu seinem Hündchen.
"Hier, sieh wie ordentlich das aussieht! Solch ein perfektes Protokoll hattest du noch nie! Alle werden dich loben."
Dixi besah sich den Audruck und fand, dass Herr Drachau Recht hatte. Jetzt gefiel ihm die ganze Sache mit dem Computer sogar schon ein bisschen.

"Sagtest du nicht, dass man mit solch einem Computer auch spielen kann?", fragte er sein Herrchen.
"Ja, natürlich. Lass uns gleich ein Spiel starten! Hier habe ich zum Beispiel ein Programm, mit dem du Mäuse jagen kannst. Probier's mal aus!"
Herr Drachau klickte auf einen der Flecke des Monitors. Es ertönte Musik. Plötzlich wimmelte es auf dem Bildschirm vor lauter Mäusen - aber nicht solche wie diese Computermaus, sondern welche, die fast wie richtige Mäuse aussahen.
Dixi hatte schon begriffen, dass ihm diese Mäuse nichts anhaben konnten und setzte sich mutig vor den Monitor.
"Was soll ich jetzt tun?"
"Klicke die Mäuse so schnell wie möglich an. Wieviel kannst du in drei Minuten fangen? Versuche einen neuen Rekord zu erreichen."
Dixi griff nach der Computermaus. Er schob sie hin und her und genau so bewegte sich ein kleiner Pfeil - den Herr Drachau vornehm "Körser" nannte - auf dem Monitor. Dixi zeigte mit dem Pfeil genau auf den Bauch einer besonders fetten Maus und klickte auf die linke Taste.
Es machte "Ploing!" und die Maus war verschwunden. Wie praktisch! So war das Mäusefangen ja viel einfacher als im richtigen Leben!
Dixi klickte begeistert auf dem Monitor herum und brachte eine Maus nach der anderen zur Strecke. Seine Ohren glühten vor Begeisterung.
Aber dann - mitten im schönsten Mäusejagen - passierte es:
Auf dem Monitor erschien plötzlich eine Schrift:
"In dieser Anwendung ist ein schwerwiegender Fehler aufgetreten! Bitte wenden Sie sich an den Hersteller!".
Dann wurde der Monitor ganz blau, so als würde er keine Luft mehr bekommen. Man sah nur noch ein paar wirre weiße Zeichen und es passierte nichts mehr.
"Oh, jetzt ist der Computer abgestürzt", jammerte Herr Drachau.
Dixi schaute verwundert auf. Der Blechkasten stand doch noch immer neben dem Monitor. Er war keineswegs vom Schreibtisch gefallen! Sah das Herr Drachau nicht?
"Ich zeige dir jetzt den Klammeraffengriff", sagte Herr Drachau mit wichtiger Miene. "Der ist nützlich, wenn man ein Programm abbrechen muss!".
Dixi dachte an die Äffchen im Zoo und staunte, dass diese wohl schon besser mit dem Computer vertraut wären als er. Aber was tat Herr Drachau? Er drückte gleich drei Tasten auf einmal, das konnten die Affen gar nicht.
"Siehst du, so kann man eine Anwendung abbrechen!" meinte er stolz. Aber noch immer geschah nichts. Nicht einmal das Schwänzchen einer Maus war zu sehen und der Computer brummte nur beleidigt vor sich hin.
"Da hilft nur noch die RESET-Taste", stellte Herr Drachau fachkundig fest. Er drückte eine Taste an der Blechkiste. Nun wurde der Monitor vollends schwarz. Die Kiste machte ein paar komische Geräusche. Dann erschienen unverständliche Schriftzeichen, schließlich die Mitteilung, man solle bitteschön das Programm nicht einfach abbrechen sondern den Computer immer ordnungsgemäß herunterfahren! Nun wurde sogar Herr Drachau ein wenig ungeduldig.
"Wie soll ich das Programm beenden, wenn es vorher abstürzt?".
So langsam verstand Dixi gar nichts mehr. Wer war denn nun abgestürzt, der Computer oder dieses Programm?
Inzwischen war das Bild wieder schön bunt geworden. Es erschien ein Fenster mit ein bisschen verschwommener Schrift und dann färbte sich der Monitor türkis und die kleinen Bildchen waren zu sehen. Mäuse wollte Dixi nun nicht mehr jagen. Aber es gab noch andere Spiele auf dem Computer zu bewundern.

Als der Nachmittag vorüber war und sie genug am Computer gespielt hatten, meinte Herr Drachau:
"So, und jetzt fahren wir den Computer wieder herunter."
Dixi seufzte. Sie hatten das Ding ja gar nicht hoch zu Frau Zuse gefahren, weshalb sollten es nun hinunterfahren?
Aber Herr Drachau erklärte: "Wir beenden das Betriebssystem, indem wir auf Start klicken!".
Dixi schwirrte der Kopf. Wieso etwas starten, wenn man es beenden will?
"Nun", sagte Herr Drachau, "das ist halt so. Die Benutzung solcher Computer ist nicht immer so ganz logisch, da musst du dich dran gewöhnen."
Dixi reckte und streckte sich. Sein Rücken war ganz steif geworden und seine rechte Schulter schmerzte.
"Ich denke, wir sollten uns noch ein bisschen bewegen", meinte Herr Drachau, "einen Spaziergang machen. Danach schmeckt uns das Abendbrot um so besser."
Er öffnete die Tür und Dixi flitzte hinaus an die frische Abendluft. An der Hausecke lugte ein Mäuschen aus einer Spalte im Mauerwerk. Als sie Dixi sah, pfiff sie frech und rannte davon. Dixi stürzte hinterher, aber er konnte sie nicht fangen. Und trotzdem - irgendwie war ihm diese Maus viel sympatischer als alle Computermäuse!

Herbert Drachau